Mit F1 2021 hat Codemasters den diesjährigen Ableger der Rennspiel-Simulation entwickelt, den Electronic Arts auf den Markt gebracht hat. Die Weiterentwicklung ist so konsequent wie gelungen. Wer nicht auf Action-Racing steht, sondern seine Runden in „echten“ Boliden so nah wie möglich an der Realität drehen will, der kommt auch in 2021 auf der F1-Neuauflage nicht vorbei. 


Drei Jahre lang hatte Codemasters ab 2000 Titel der F1-Racing-Serie für Electronic Arts entwickelt bevor man selbiges über ein Jahrzehnt in Eigenregie fortführte. Seit 2021 gehört Codemasters wieder zu Electronic Arts – besser hätte der Einstand nicht ausfallen können, denn F1 2021 setzt erneut Maßstäbe, wenn auch eher auf der Detailebene. Unter dem Label EA Sports ist das Rennspiel auf den Markt gekommen und Electronic Arts hätte sich kaum eine bessere Serie für das Publishing aussuchen können: Wie Fifa, Madden und Co liefert auch die F1-Serie jährlich Nachschub. Der größte Unterschied zwischen EA Sports bisherigen Sportspiele und F1? Letzterem merkt man immer wieder aufs Neue die Weiterentwicklung deutlich an. F1 gehört zu den wohl am besten gepflegtesten Franchises auf dem Games-Markt. 

„Braking Point“: Story ja, aber seicht

Am 16. Juli 2021 erschien der diesjährige Ableger von Codemasters F1-Serie – und die Rückkehr unter das Label von Electronic Arts hat der Marke nicht geschadet. Im Gegenteil: F1 2021 präsentiert sich detailverbessert, konstant gut, wenn auch ohne große Innovationen. Ob das überhaupt notwendig ist? Vermutlich nicht, denn Content, Gameplay und Realitätsnähe gehen bei F1 eine Symbiose ein, die auf dem Games-Markt ihresgleichen sucht. Kurzum: F1 2021 ist der bislang beste Ableger der Serie. 

Eingefleischte Fans der Serie werden Formel 1 vermutlich nicht nur spielen, sondern auch im Fernsehen anschauen. Spannend ist beides. Wenn die Fahrer auf den Strecken um Nasenlängen kämpfen, haarscharf Unfälle vermeiden und Rundenzeiten jenseits den menschlich möglichen hinlegen, dann kann einen das fesseln. Auch dem Videospiel gelingt das und zwar in einem Ausmaß, das dem der Live-Übertragung in nichts nachsteht. So realistisch wie F1 2021 ist keine andere Rennsimulation und das, obwohl die Entwickler selbst den Fokus nicht auf Realismus, sondern auf eine Art Hybrid-Erfahrung setzen. Dass Codemasters den Erfolg des Vorjahrestitel überhaupt noch toppen konnte, ist die eigentliche Sensation. Schon im vergangenen Jahr war der Titel nahezu perfekt. 

Die Ruhe vor dem Sturm. Die Präsentation macht Lust auf den Rennstart. Quelle: Spielpunkt

Die Ruhe vor dem Sturm. Die Präsentation macht Lust auf den Rennstart. Quelle: Spielpunkt

Besonders auffällig ist zunächst der Story-Modus „Braking Point“ – ja der Wortwitz ist gewollt. Es gibt eine linear verlaufende Kampagne, die an jene Inhalte erinnert, die man auch EA-Games wie Fifa oder Madden bereits kennt. Longshot oder The Journey sorgen für Kurzweile und bringen etwas Abwechslung auf die Bildschirme, sind bislang jedoch nicht die großen Würfe gewesen. Die Geschichten waren solide, aber oberflächlich, stellenweise albern, insgesamt allerdings unterhaltsam. Auch bei F1 2021 ist das ähnlich: Die Kampagne geht in Ordnung, bleibt am Ende jedoch Mittelmaß. Wenn man an dem neuen Formel1-Ableger also etwas kritisieren muss, dann ist es das.

Dabei ist der Modus eine der offensichtlichsten Änderungen. Am Ende überzeugt „Braking Point“ also nicht auf ganzer Linie, einfach ignorieren sollte man die Story aber nicht, denn dann verpasst man durchaus Sequenzen mit Unterhaltungscharakter. Aiden und seinem Teamkameraden Akkerman auf die Finger zu schauen, sich das Drumherum des Racing-Sports zu Gemüte zu führen und auch die Familiendramen mitzuerleben – all das macht Spaß. Die übrigen Langzeit-Spielspaßfaktoren (Karriere und MyTeam) entsprechen denen aus dem vergangenen Jahr. Das war schon großes Kino und ist es auch dieses Jahr wieder. Am Ende geht es allerdings oft eher darum, endlich wieder die Hände ans Lenkrad zu bekommen. Denn auf den Rennstrecken entfaltet F1 2021 sein volles Potenzial.

F1 2021 muss man zähmen

Das Spiel ist ein Biest, wenn es darum geht, seinen Flitzer zu Höchstleistungen anzutreiben – und F1 zeigt sich biestig, wenn es darum geht, denn Rennwagen auf der Ideallinie zu halten. F1 2021 ist herausfordernd und spricht mehrere Spielertypen an. Dafür sorgt auch Codemasters: die Entwickler haben drei verschiedene Modi eingebaut, aus denen man entsprechend seines Rennstils wählt: Einsteiger, Standard oder Experte. Letztendlich ist es simpel: Je höher die Stufe, desto schwieriger das Spiel. Einsteiger können mit der Casual-Stufe schnell erste Erfolge feiern, im Expertenmodus können Rennprofis hingegen zeigen, aus welchem Blech sie gemacht sind. Die Lernkurve lässt sich anpassen, ist allerdings steil. Weil das Fahrgefühl von F1 2021 so grandios ist, wird man die Einsteigerstufen schnell verlassen wollen, denn das limitiert. 

Selbst auf den Standbilder lässt sich die Geschwindigkeit erahnen, mit der es auf den Rundkursen zur Sache geht. Quelle: Spielpunkt

Selbst auf den Standbildern lässt sich die Geschwindigkeit erahnen, mit der es auf den Rundkursen zur Sache geht. Quelle: Spielpunkt

Unterstützt wird das Renngefühl durch die hervorragende Grafik und den knackigen Sound. Wenn die Turbolader in der Live-Ansicht jaulen oder die Geräusche in der Cockpitansicht leicht gedämpft durch den virtuellen Helm an die Ohren dringen, dann fühlt sich man, als wäre man dabei. Das Mittendrin-Gefühl ist spürbar und trägt seinen großen Teil zum Action-Realismus von F1 2021 bei. Die Optik tut ihr übriges: Strecken und Fahrzeuge, das neue Schadensmodell und die Detailverbesserungen machen aus dem neuen Ableger eine Augenweide – und das erstmals auch auf den neuen Powerkonsolen Playstation 5 und Xbox Series X|S. Auch wenn man letztendlich Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr suchen muss, sie sind vorhanden: Alles wirkt ein My hübscher, intensiver und realistischer – insbesondere bei den Rennen auf regennasser Strecke. 

Spaß macht vor allem das Schadensmodell. Wenn es andere Rennwagen – nicht selten auch mal den eigenen – auf dem Hochgeschwindigkeitskurs zerlegt, dann fliegen Trümmer umher. Wer das Maximum für das Schadensmodell aktiviert, der muss sogar auf den Unterboden seines Flitzers aufpassen, denn der wird in so manch geschnittener Kurse in Mitleidenschaft gezogen. Dabei sind all die Beschädigungen nicht nur optisch, sondern haben Auswirkungen auf das Gameplay. Nicht jeder Schaden kommt einem Rennabbruch gleich, aber nicht selten ist man nah dran. Das Fahrgefühl verändert sich, die Kurvenlage wird zur Herausforderung, das führt manchmal auch zu (erwünschten) Frustmomenten. Der Anspruch es besser zu machen, ist vorhanden. Das motiviert. 

Nicht der Bleifuß allein führt zum Sieg, sondern auch eine gute Rennstrategie. Quelle: Spielpunkt

Nicht der Bleifuß allein führt zum Sieg, sondern auch eine gute Rennstrategie. Quelle: Spielpunkt

Der Bleifuß ist nicht der beste Freund des Rennfahrers, bei F1 2021 geht es um Cleverness. Nicht zuletzt, weil auch die KI sich deutlich verbessert hat. Das führt am Ende zu spannenden Momenten: Harte Duelle in den Kurven, aus Spielersicht bleiben die Computergegner dabei aber fair. Ärgerlich, denn wenn man in einer engen Kurve überholt wird, bedeutet das nicht selten, dass man sich einen groben Schnitzer geleistet hat. Vorausschauend zu fahren ist insbesondere im Expertenmodus unerlässlich. Noch einmal deutlich herausfordernder, aber auch unerbittlicher und manchmal unfairer geht es im Multiplayer-Modus zu. Menschliche Gegner kennen kein Pardon. Der Ärgerfaktor ist stets spürbar, aber das ist gut so. F1 2021 lebt am Ende auch von den aufkommenden Emotionen, den Ahs und Ohs und Wows, denen man von Zeit zu Zeit immer wieder in den Rennmomenten begegnet. Splitscreen geht auch, cooler ist der 2021er-Ableger allerdings in voller Bildschirmgröße. 

Infobox

Spielerzahl: Singleplayer, Multiplayer, E-Sport
Alter: USK ab 0
Schwierigkeit: mittel bis schwierig
Langzeitmotivation: hoch
Genre: Rennspiel
Untergenre: Rennspiel-Simulation

Entwickler: Codemasters
Publisher: Electronic Arts
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2021
Plattformen (Testsystem): PC, Playstation 4, Playstation 5, Xbox One, Xbox Series X|S
Sprache:  deutsch
Kosten: ab 59,99 Euro 

 

Fazit

Alles besser, noch ein bisschen schöner, näher an der Realität, satter, spannender. Was Codemasters mit F1 2021 auf die Bildschirme bringt, ist ein wahres Feuerwerk für Rennspiel-Fans. Kritisieren kann man allenfalls im Detailbereich, bei den deutschen Kommentaren und der Sprachausgabe zum Beispiel. Das lässt sich allerdings manuell und selbstständig verbessern: Einfach auf englische Sprache stellen und schon hat man den Kritikpunkt ausgebügelt. Ansonsten bohren die Entwickler und Electronic Arts mit F1 2021 ein dickes Brett. Die Spielmodi sind unterhaltsam und machen Spaß, sogar der Kampagne kann man etwas abgewinnen, wenn man keine bis ins letzte Detail ausgefeilte Blockbuster-Geschichte erwartet. „Braking Point“ erfüllt seinen Zweck, ist streckenweise sogar ziemlich gut, überwiegend allerdings mittelmäßig. Gleichzeitig ist das Potenzial vorhanden, um der gesamten F1-Serie einen Drift in Richtung Innovation zu geben, denn unter der Schirmherrschaft von Electronic Arts ist dieses Jahr der Einfluss des Games-Giganten noch nicht zu spüren. Das könnte schon in 2022 ganz anders sein – vielleicht mit noch mehr Story, Drumherum und einer Präsentation, die sich viel deutlicher am Live-TV-Giganten Madden NFL orientiert. 

Geschenkt: Wichtig is‘ aufm Platz, wie  Lewis Hamilton so schön zu sagen pflegt – oder irgendjemand anders aus der Welt des Sports? Sobald die Rennflitzer an der Startlinie stehen, die Motoren sich warm heulen und man auf seinen Einsatz wartet, steigt der Adrenalinpegel, denn von Beginn an ist eines klar: Viele Fehler kann man sich nicht erlauben. Es sei denn man spielt kontinuierlich auf der Einsteigerstufe, dann sammelt man Pokale in Massen. 

Ein Star des Spiels ist daher auch die Steuerung. Ob mit Gamepad oder Lenkrad – F1 2021 lässt sich hervorragend steuern, in beiden Fällen kommt es Racing-Feeling auf. Einsteiger wie Experten können die Einstellungen ihrem persönlichen Geschmack sowie ihren Fertigkeiten anpassen. Was nebensächlich klingt, hat vor allem für Rennspielneulinge einen entscheidenden Spielspaß-Vorteil, denn mit eingeschalteten Rennhilfen lassen sich einfacher Erfolge feiern. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich umgekehrt auf mehreren Ebenen schrittweise steigern, so kann man Runde für Runde Spitzenzeiten unter immer herausfordernderen Bedingungen erfahren.

Ziel muss daher der schnellstmöglich Umstieg auf die höheren Stufen sein. Je mehr Realismusoptionen man bei F1 2021 einschaltet, desto größer werden Spaß und Frust. Beides gibt es nur zusammen. Dafür ist die Freude umso größer, wenn man ein Rennen oder gar einen Grand Prix erfolgreich abschließen kann. Und danach? Einfach wieder auf die Strecke, solange bis Codemasters im kommenden Jahr wieder einen neuen Ableger veröffentlicht. Voraussichtlich wieder etwas besser, schöner, näher an der Realität, satter und spannender.   


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