Am 18. Mai startet ein ungewöhnliches Crowdfunding-Projekt auf Kickstarter. Ungewöhnlich deshalb, weil das Kartenspiel um das es geht – „Battle of the Influencers“ – sich eines der vielleicht streitbarsten Themen der Neuzeit widmet: Influencern. Von Greta über Ninja bis hin zu Elon Musk sind viele mehr oder minder populäre Szene-Größen als Kartenmotive vertreten. Der Spielablauf selbst ist ein Klassiker, allerdings etwas aufgepeppt.  


Mindestens mutig ist das Projekt von Patrick Ackmann und Patrick Rometsch: Influencer sind populär, allerdings längst nicht überall beliebt. Vor allem in der kritischen Brettspielszene ist es für die „Faces“ manchmal schwer, Fuß zu fassen. Immerhin: die Patricks kennen sich aus mit dem Thema. Als Väter mit insgesamt vier Töchtern gehört der „Battle of the Influencers“ vermutlich zum alltäglichen Familiengeschäft. Gute Voraussetzungen also, um ein Kartenspiel trotz klassischer Mechanik, erfolgreich durch ein Crowdfunding zu bringen.

Spielkarten im Smartphone-Format

Ausgerechnet Quartett und Trumpf haben die beiden Macher sich für ihr Kartenspiel „Battle of the Influencers“ ausgesucht. Vielspieler und Experten treibt das nun Tränen in die Augen, Familien mit von Influencern beeinflussten Kindern werden die Idee vermutlich feiern. Die handgemalten Illustrationen stammen von der rumänischen Künstlerin Pitica „Piggysart“ Isabela, selbst Micro-Influencerin und eine Art Expertin für Fan-Kunst über berühmte Menschen.

Das Kartenspiel setzt auf Spielkarten im Smartphone-Format. Kein Zufall, denn ein Patrick Ackmann und Patrick Rometsch verfolgen unter anderem die Idee, die „Screentime“ junger Menschen zu reduzieren. Und: Sie wollen den Dialog fördern zwischen Jung und Alt, allerdings auch Sicht der Jungen: Man bedient sich also der Influencer um den älteren Generationen (ja, liebe Eltern, auch ihr seid gemeint) näherbringen zu können, womit Kinder und Jugendliche sich heutzutage in ihrer Freizeit beschäftigen. Und damit Mama, Papa, Oma und Opa auch etwa lernen können, hat man auf den Karten Randinformationen zu den Szene-Persönlichkeiten aufgelistet.

TV, Zeitung, Internet und jetzt auch noch Kartenspiel: Den Kardashians kann man nicht entkommen. Bild: Autoren

TV, Zeitung, Internet und jetzt auch noch Kartenspiel: Den Kardashians kann man nicht entkommen. Bild: Autoren

Die Idee entstand – das ist inzwischen nicht mehr überraschend – inmitten der pandemischen Situation. Man hat Zeit, um sich Spielideen auszudenken – auch für das Patrick-Duo gilt das. Aus verschiedenen Genres mischen die beiden die Stars für das Kartendeck zusammen, auch Polit-Aktivisten und Influencer  mit „echten Botschaften“ sind dabei. Dann kommt es zum „Battle“ – und das orientiert sich an den Klassikern Trumpf und Quartett: Influencer treten gegeneinander an und es gilt, alle Stars des Gegners auf seine Seite zu ziehen. Dazu gibt es verschiedene Vergleichskategorien, etwa Follower oder Verrücktheit. Etwas frischen Wind bringen die beiden mit Zusatzkarten ins Spiel, die dann für mehr Interaktion sorgen sollen – auch das Smartphone und Reallife-Daten kommen dabei zum Einsatz. Ein durchaus kurzweiliger Kniff, der vor allem bei Kindern gut ankommen dürfte.

Am 18. Mai startet die Crowdfunding-Kampagne zu „Battle of the Influencers“, für die Patrick Ackmann und Patrick Rometsch rund 1.700 Euro als Ziel festgelegt haben. 90 Prozent der Summe entfallen auf den Druck. Rund acht Euro kostet der Early-Bird-Pledge. Gleichzeitig können Unterstützer auch etwas Gutes tun und ein Support-Modell wählen, bei dem insgesamt zehn Euro fällig werden: Acht Euro für das Spiel sowie zwei Euro als Spende an die Fachstelle Mediensucht, die Jugendlichen unter die Arme greift. Vergleichsweise fix sollen dann die Kartendecks versandt werden. Knapp ein Quartal soll es lediglich dauern, bis „Battle of the Influencers“ nach einer erfolgreichen Kampagne auf Reisen geht.

Ein Ziel: Mit Social-Media-Inhalten vom Social-Media-Konsum lösen

Wer sich als Spieler regelmäßig im Crowdfunding-Segment herumtreibt, insbesondere auf Kickstarter, tritt immer wieder mal auf Klassiker – allerdings selten. Ein Grund: Viele eingefleischte Fans sehen keinen Anreiz darin, die „Spiele von damals“ finanziell zu unterstützen. Der Nostalgiefaktor funktioniert leidlich auf der Kickstarter-Plattform. Patrick Ackmann und Patrick Rometsch versuchen es bei „Battle of the Influencers“ allerdings trotzdem.

Sind sind überzeugt, dass es klappen kann mit der Kampagne. Zum einen sei da der Retro-Charme des Spielprinzips: „Jeder kennt es, versteht es schnell, verbindet damit oft positive Kindheitserinnerungen, Stichwort Autoquartett“, so Patrick Ackmann. Die Macher haben sich ein Ziel hinter dem Ziel gesteckt. Sie wollen versuhen, „Menschen mit Social-Media-Inhalten vom Social-Media-Konsum zu lösen“ – das sei ein spannender Kontrast mit Augenzwinkern, der auch gern das Thema zur Diskussion bringen soll.

Hinzu komme die liebevolle Gestaltung. „Diese Dinge machen das Spiel, bei dem man dachte, alle Varianten gab es vielleicht schon, zum Geheimtipp“, orakelt Patrick Ackmann. Zudem würde die Spezialkarten eine spannende Erweiterung zum Trumpfgenre addieren.

„Das Involvement der Zielgruppe, selbst die letzten Karten bestimmen zu können, sehen wir als großes Einbeziehen und Chance“, erklärt der Macher. Und: „Darüber hinaus können es einige unserer Influencer kaum erwarten…“. Einen Hehl machen die beiden Patricks übrigens nicht daraus, dass ihr Spiel eher ein Zwischendurch-Titel ist: „Wir sehen es eher als Spaß für die Rückbank im Auto, in der Schulpause, am Partyabend oder zusammen mit der Familie, ohne zu tiefgründig oder intensiv zu sein.“ Und dann ist da wieder das nicht ganz offensichtliche Ziel: Aber auch als „spannende, gerne auch medienkritische, Auseinandersetzung z.B. im Schulunterricht“ könne man „Battle of the Influencers“ einsetzen. In dem generationenübergreifenden Spielprinzip sieht das Duo eine Stärke des Kartenspieltitels: man könne Jung und Alt an einen Tisch bringen und „noch etwas Neues voneinander lernen“.

„Es ist das weltweit erste Influencer-Trumpfspiel.“
Patrick Ackmann, Autor

Was man nicht auf den ersten Blick erkennt, stellt Patrick Ackmann heraus: „Es ist das weltweit erste Influencer-Trumpfspiel, das findet Interesse bei Sympathisanten des Themas ‚Social Media‘ – bis hin zu den richtigen Fans der präsentierten Influencer. Dazu gibt es eine große Zielgruppe von ‚casual‘ Quartett/Trumpfspielern: von Kindern, Gamern bis älteren Leuten, Quartett zieht immer noch beziehungsweise jetzt wieder.“ Die eigentliche Innovation komme auch über die Verknüpfung mit den eigenen Social-Media-Kanälen durch die Spezialkarten. Insgesamt gelte nach Ansicht der beiden Autoren das Credo: Weniger ist manchmal mehr.

Das Duo Ackmann und Rometsch ist sicher, dass das Spiel seinen Weg finden wird. Auf und auch nach dem Crowdfunding: „Wir können viel von Kickstarter lernen und dort direkt vom Start neue und interessante Zielgruppen erreichen“, so Patrick Ackmann.

Lässt man die Mechanik außer Acht, ist da noch so eine Art „Hürde“, die sich jedoch auch als Sprungbrett erweisen könnte: das Thema Influencer. Das Schöne sei, erklärt Patrick Ackmann, im Spiel seien nur Influencer vertreten, die „wir aus dem einen oder anderen Grund für relevant, positiv oder erwähnenswert halten“. Über die Szene-Stars habe man viel diskutiert, um einen sinnvollen und spannenden Mix zu kreieren.

„Möglichst interessant und ungewöhnlich sollten sie zudem sein“, findet Ackmann. „Hier findet man nicht die millionste Make-Up oder Food-Influencerin, die Bifi in der Badewanne präsentiert“. Auch finde der Spieler keine Influencer im Game, die ihrer Zielgruppe in Dauerschleife unnötige Produkte anpreisen, unsympathische Werte vertreten oder ähnliches.

Influencer gibt es auch mit "Sinn" - man nennt sie dann hierzulande auch "Sinnfluencer". Bild: Autoren

Influencer gibt es auch mit „Sinn“ – man nennt sie dann hierzulande auch „Sinnfluencer“. Bild: Autoren

„Besonderen Wert legten wir darauf, Aktivisten oder sog. „Sinnfluencer“ mit auch „niedrigeren“ Follower-Zahlen dabei zu haben, um sie Menschen näher zu bringen“, so Ackmann erneut zu einem Ziel hinter dem Ziel. Er gesteht jedoch ein: „Dennoch kommen auch wir beispielsweise an den Kardashians, als die wohl zurzeit weltweit erfolgreichsten Unternehmerinnen, kaum vorbei.“ Die beiden Autoren kennen sich zumindest mit dem Grundthema aus – und zwar aus eigener Erfahrung. Als Väter.

„Die Themen „Screentime“ oder „Digital Detox“ beschäftigen jede Familie in der heutigen Zeit“, meint Patrick Ackmann. „Die einen sind rigoros und verbannen Fernseher und Co, andere lassen leider zu viel Bildschirmzeit zu, damit alle ihre Ruhe haben“, lautet das vernichtende Fazit eines modernen Familienvaters. „Uns geht es darum, die beste Waage zu finden: zuzulassen, dass Kinder/Jugendliche nicht isoliert/technisch abgehängt aufwachsen, aber ihnen auch direkt eine Möglichkeit zu bieten sich gemeinsam mit dem Thema zu beschäftigen und auszutauschen“. Das „Best case-Szenario“ sei, wenn Kids mit Eltern oder Großeltern eine unterhaltsame Zeit und interessanten Austausch zum Thema haben, bei dem jeder dazu lernt.

Die beiden haben letztendlich nicht nur das Kartenspiel „Battle of the Influencers“ als Einstiegstitel erdacht, sondern sind spielerisch in einem ähnlichen Segment unterwegs. Beide verfolgen die Themen Brett- und Kartenspiele interessiert – Trumpfkarten verbinden die Autoren und die Illustratorin. Patrick Ackmann setzt auf „Berliner Spätis“ oder „eine Runde Sagaland mit den Girls“. Und: Auch E-Sport finden Ackmann und Rometsch spannend – Influencer sind natürlich auch dort ein großes Thema.

Die Crowdfunding-Kampagne zu „Battle of the Influencers“ startet am 18. Mai auf Kickstarter.


Letzte Aktualisierung am 19.09.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. * = Affiliate Links. Bilder von Amazon PA-API