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News und Tests zu Brettspielen, Games und Unterhaltung > Artikel > Brett- und Kartenspiele > Rezensionen > Flippermania: Rezension zu Frosted Games‘ Pinball-Würfelspiel
Brett- und KartenspieleNewsRezensionenTop

Flippermania: Rezension zu Frosted Games‘ Pinball-Würfelspiel

André Volkmann
Last updated: 17. Januar 2022 10:01
André Volkmann
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Flippermania Test
Flippermania ist ein Roll-and-write mit Pinball-Thema. Foto: Volkmann
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Flippermania im Test: Das Würfelspiel ist eine der Neuheiten von Frosted Games. Der Verlag hat das Original von Geoff Engelstein und Wizkids für den deutschsprachigen Markt lokalisiert, den Vertrieb übernimmt Pegasus Spiele. Das Roll-and-Write-Spiel dreht sich um das namensgebende Thema: Flipperautomaten. Die Idee ist kurios, der Titel erweist sich letztendlich als deutlich innovativer als das Thema möglicherweise vorgibt.


Mit Rauch gefüllte Kneipenräume, alte Herren an der Theke ins Gespräch vertieft, im Hintergrund dudelt die Jukebox, deren Songs sich in den Sound von Spiel- und Flipperautomaten mischen. So war es früher, aber das ist lange her. Rauch gibt es in Gaststätten dank Verboten nicht mehr und geflippert wird heute auf Konsolen – oder, wie im Falle von Flippermania, sogar auf dem Brettspieltisch.

Solospiel für bis zu vier Spieler

Statt „Humpty Dumpty“ und Co wählt man aus vier Tischen, dargestellt durch die Spielertafeln: „Carniball“, „Cyberhack“, „Dance Fever“ und „Drachentöter“ haben jeweils ihre eigene Optik sowie unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Schon dieser Kniff gelingt Geoff Engelstein, dem Auto hinter dem im Original Super-Skill Pinball: 4-Cade getauften Würfelspiel. Zuvor hatte der Autor unter anderem Spiele wie Versailles 1919 oder Space Cadets entwickelt.

Flippermania Test Frosted Games
Die Flippertische haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade – mit dem gruseligen Clown fängt alles an. Foto: Volkmann

Bei Flippermania dürfen bis zu vier Spieler an die Kugeln – am besten spielt sich das Roll-and-write-Spiel allerdings allein. Daraus machen die Kreativen – wenn auch indirekt – kein Geheimnis: „Ausgezeichnetes Solo-Spiel!“ steht auf der Rückseite der Schachtel. Das ist wahr, mit Mitspielern wird das Würfelspiel allerdings nicht unbedingt besser. Die Ausstattung kann man nur loben: dicken, beschichteten Pappbögen liegen vier Stifte samt Radieraufsatz, zwei Würfel, eine Anleitung und, als nettes Gimmick, ein Abriss über echte Flipperautomaten bei. Sogar Flipperkugeln gibt es, allerdings halbe. Feder ziehen und los – ganz so einfach ist Flippermania jedoch nicht.

Das Regelwerk ist überraschend umfangreich, das Flipper-Brettspiel ziemlich kleinteilig. Etwas Einarbeitungszeit muss man einplanen, zum Glück hangelt sich die ausführliche und bebilderte Anleitung direkt am „Einführungstisch“ entlang. Hat man den grundlegenden Ablauf verstanden, sind die übrigen drei Tisch allenfalls noch spielerisch herausfordernd. Die Redaktionelle Aufarbeitung ist jedenfalls gelungen, wenn auch hier und da etwas zu farbenfroh. Schwarze Balken, gelbe Kästchen, blaue Kästchen, rote Kästchen, Warnsymbole, Farbenschrift – das Hirn wird gefordert lange bevor die erste Kugel auch nur die Abschussfeder berührt hat. Ganz so aufdringlich hätte das in der Anleitung visualisierte Effektfeuerwerk nicht ausfallen müssen. Am Ende spielt das lediglich in die B-Note hinein, denn verstehen kann man immer, was von einem verlangt wird.

Flippern für Kenner

Trotz des lustig bunten Themas ist Flippermania ein Spiel für Kenner. Das deutet schon das Regelwerk an. Noch klarer wird der Status eines Gesellschaftsspiels für Fortgeschrittene, wenn man sich die Aufteilung der jeweiligen Flippertische samt deren Wertungsmöglichkeiten anschaut.

Flippermania Review Würfelspiel
„Drachentöter“ ist mit Abstand der beste der vier Tische. Foto: Volkmann

Rein mechanisch funktioniert Flippermania im Kern wie ein handelsüblicher Flipperautomat: Kugel schießen, die Physik erledigt den Rest. Auf dem Brettspieltisch geht das natürlich etwas anders: der Wurf zweier Würfel läutet die Action ein. Als Spieler wählt man ein Ergebnis und platziert die Kugel entsprechend. Auch Manipulationen der Würfelergebnisse sind möglich, dann mit der Gefahr eines Tilts verbunden. Dann geht nichts mehr, die Kugel ist futsch.

Das Thema ist grandios umgesetzt, und das ist überraschend: Hinter dem Flippern stehen jede Menge Automatik, Physik und Zufall – alles davon bringt Flippermania auch als Würfelspiel auf den Tisch. Aufbauend auf enorm vielen Details, immerhin aber für die abgeschossene Kugel mit einem vorgezeichneten Weg. Pfeile deuten dankenswerterweise an, wo es lang geht, wenn die Kugel ein Ziel trifft oder eben nicht trifft und auf dem Tisch nach unten rauscht.

Flippermania Rezension Würfelspiel
Das Material von Flippermania überzeugt, sogar glänzende Flipperkugeln gibt es. Foto: Volkmann

Die Varianz kommt auf den vier Tischen durch Sonderregeln zur Geltung, etwas Stufenaufstiege oder Minigames. Ob Flippertisch oder Flippermania – am Ende geht es allein um den Highscore. Hat man seine drei Kugeln verspielt, wird abgerechnet.

Highscore-Sucht

An dieser Stelle spielt auch Frosted Games Würfelspiel eine Genre-Stärke aus: Man möchte es beim nächsten Mal besser machen. Optimaler. Mit einer höheren Punktzahl gekrönt. Also reiht sich an eine Partie Flippermania oft noch eine zweite, manchmal dritte – dann ist allerdings Schluss, denn besonders kurz sind die einzelnen Partien mitunter nicht. Ab und zu kommt das Gefühl auf, das Spiel laufe ein paar Minuten zu lang für das Gebotene.

Kritik kommt auf, wenn man Flippermania nicht als Solo-Spiel angeht. Mitunter ist die Downtime hoch, in einigen Fällen sind einzelne Spieler sogar deutlich früher durch mit der Partie als ihre Opponenten. Und weil man nebeneinander und nicht gegeneinander spielt, stellt sich zwangsläufig die Frage nach dem Mehrwert einer Multiplayer-Partie am analogen Flippertisch. Mit zwei oder mehr Spielern ist Flippermania nicht schlechter als die Solo-Version, allerdings auch nicht besser. Vielleicht ist es – wie bei einigen anderen nicht oder kaum interaktiven Roll-and-write-Titeln – einfach Geschmackssache. 

Flippermania Frosted Games
Im Verlauf der Partie geht es immer wieder um Boni – ganz wie bei einem echten Flipper. Foto: Volkmann

Das Thema entschädigt letztendlich für die wenigen Schwächen, denn Flippern auf dem Brettspieltisch ist tatsächlich unverbraucht und daher interessant, zumal Flippermania das Gefühl des Spiels auf den alten Automaten überraschend gut – und mit einer besonderen Dynamik – einfängt. Und wie im echten Flipper-Leben spielt durch die Würfelei auch eine gute Portion Glück hinein, die eine Partie auch entscheiden kann. Das mag nicht jeder, gehört allerdings zum stimmigen Konzept.

Infobox

Spielerzahl: Solo / bis zu 4 
Alter: ab 10 Jahren
Spielzeit: 15 bis 45 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: mittel
Genre: Würfelspiel
Untergenre: Roll and write
Kernmechanismen: Würfeln, Zeichnen, Push your Luck

Autoren: Geoff Engelstein
Illustrationen: Gong Studios
Verlag: Frosted Games/Pegasus Spiele
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2020
Sprache:  deutsch
Kosten: 26 Euro 


Fazit

Mit Flippermania ist es so eine Sache: der Funke springt über, aber das ganz große Feuerwerk will irgendwie nicht abbrennen. Mit dem Roll-and-write von Geoff Engelstein muss man warm werden und warm werden wollen – dann allerdings hat man auch seinen Spaß, und zwar nicht zu knapp. Schon das Thema bringt frischen Wind ins angestaubte Genre, in dem – zwar nicht immer, aber oft – das nackte Zahlenwerk dominiert. Schon Vertreter wie Kosmos‘ Blätterrauschen haben für eine kleine Trendumkehr gesorgt: Weg vom nüchternen Zahlen kreuzen oder Forme einkringeln und hin zu einer kleinen Genre-Evolution, bei der es um etwas geht auf dem Tisch. Flippermania schließt sich an.

Kleinteiligkeit kann man dem Würfelspiel unterstellen, bezogen auf das Regelwerk ist das zwar richtig, gleichzeitig sind die viele Details aber auch jener Faktor, der entscheidend zu einem flipperähnlichen Spielgefühl beiträgt. Die Kugel muss rollen, sie braucht ihre Wege, viele Wege. Nicht mit jedem Würfelwurf trifft man Entscheidungen von Tragweite, spätestens ab der Mitte einer Partie wird es allerdings oft enorm spannend. Das gilt vor allem für das Drachentöter-Setting, dem eigentlichen Star von Flippermania. Auch Cyberhack ist gelungen, die übrigens beiden Tisch fallen bezüglich der Spielqualität so steil nach unten wie ein Flipperkugel bei einem Tilt. 

Dennoch ist das Spielkonzept samt Abläufen clever, die Handlungsmöglichkeit wohl durchdacht. Ein Pluspunkt ist zudem das Material inklusive der abwischbaren Tinte. Statt endlicher Papierspielblöcke setzt man bei Flippermania auf „write and erase“, viel besser kann man ein Roll-and-write-Spiel heute nicht mehr produzieren. Abgesehen von den Würfeln vielleicht, die sind bei all dem bonbonfarbenen Material langweilig geraten. Standard eben. Pandasaurus „Rawr’n write“ zeigt, wie man es ein My besser  machen kann.

Insgesamt ist Flippermania nicht nur ein würdiger Genre-Vertreter, sondern eines der besseren Roll-and-write-Spiele. Man sollte bei all der thematischen Innovationen allerdings spielerisch keine Wunder erwarten: Würfel werfen, Zahl auswählen, Kreuzchen machen – das ist, ganz grob, der simple Ablauf. Der wird nur kompliziert, weil das Geschehen sich auf mehreren Teilebenen des Tisches abspielt. 

Und dann ist da noch etwas, das besonders gelungen ist: die Möglichkeit der Erweiterung. Autor und Verlage können Flippermania theoretisch um beliebig viele Thementische anreichern, immer wieder mit neuen taktischen Kniffen – und somit der Chance, kleine Makel abzubügeln. Wizkids fängt damit bereits an: zu Super-Skill Pinball erscheint bald ein Ableger um Star Trek.


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André Volkmann ist Journalist mit Schwerpunkten in den Bereichen Lokalnachrichten, Games und Entertainment.
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