So schön es auch ist, in großer Runde um den Sieg zu kämpfen, manchmal fehlt es einfach an der nötigen Zeit oder den Menschen. Dies ist natürlich kein Hindernis für ein schönes Spielerlebnis. Die fünf hier vorgestellten Spiele benötigen neben einem selbst nur eine weitere Person. Jede weitere Person könnte nur zugucken. Es finden sich sowohl Zwei-Personen-Varianten von „Klassikern“ als auch eigenständige Spiele auf der Liste.

Zu zweit zu spielen ist bei vielen Titeln, die eine Spannweite von 2-4, 5 oder 6 Personen angeben, ein kleines Glücksspiel. Manche Kerninteraktionsmechanismen übertragen sich einfach nicht auf die kleinere Personenzahl und man sitzt wohl oder übel mit einem mäßig spannenden Spiel am Tisch, das sein wahres Potential erst mit 3 oder mehr Spieler entfalten kann. Mit den Spielen auf dieser Liste kann dies nicht passieren. Sie sind exklusiv für zwei Personen gedacht. Manche sind Varianten von erfolgreichen Spielen, die im Original erst ab 3 Personen „freigegeben“ sind und andere sind eigenständige Titel. Die folgenden fünf Spiele können wir allen Brettspielpaaren, 2er-WGs und sonstigen Konstellationen aus zwei Personen empfehlen.

7 Wonders Duel

Life is Strange
7 Wonders Duel gibt es über Asmodee. Bild: Asmodee

Die höchsterfolgreiche 7 Wonders Reihe hat jüngst erst mit 7 Wonders Architechts Zuwachs bekommen. Bereits 2015 haben sich Antoine Bauza und Bruno Cathala zusammengesetzt und die 2-Personen-Variante von Bauzas Spielehit 7 Wonders entwickelt. Wie der große Bruder spielt sich das Duell über drei Zeitalter. Das Drafting der Handkarten wird durch eine besonders angeordnete Auslage abgelöst. Hier wechseln sich offene und verdeckte Kartenreihen ab. Völlig verschwunden ist das Draften aber auch bei zwei Personen nicht. Dies betrifft hier die namensgebenden Weltwunder. Von den vier aufgedeckten Karten wählt eine Person ein Weltwunder aus und die andere wählt aus den verbliebenen drei Karten zwei für sich aus. Die letzte Karte geht an die erste Person. Das zweite Set aus vier Weltwunder wird mit umgekehrten Rollen vergeben. Wie den mathematisch begabten Lesern aufgefallen sein dürfte, wurden auf diese Weise insgesamt acht Weltwunder verteilt. Damit am Ende des Spiels nicht ein Weltwunder zu viel existiert, wird im Spielverlauf das letzte verbliebene, nicht gebaute Weltwunder abgeworfen.

Der Spielablauf ist sehr einfach. Wer am Zug ist, wählt eine offenliegende, freie Karte aus. Mit dieser können drei unterschiedliche Aktionen ausgeführt werden. Sie kann in der eigenen Stadt gebaut werden, wenn ausreichend Ressourcen oder genug Geld für fehlende Ressourcen vorhanden ist. Hat man nicht genug Ressourcen oder Geld oder will keine der verfügbaren Karten anlegen, kann die Karte auch für letzteres abgeworfen werden. Als letzte Möglichkeit kann die gewählte Karte auch verdeckt unter ein eigenes Weltwunder gelegt werden und dieses gebaut werden. Die Weltwunder bieten neben Siegpunkten auch in den meisten Fällen weitere Boni.

Das Spiel endet nach dem dritten Zeitalter, sollte vorher keiner der zwei Siegbedingungen erreicht worden sein. Ein früheres Ende kann durch militärische oder wissenschaftliche Überlegenheit erreicht werden. Konnte in den beiden Bereichen kein Spieler die Überhand gewinnen, werden am Ende des Spiels die gesammelten Siegpunkte gezählt.

7 Wonders Duel bietet ein immer neues Spielerlebnis. Durch den variablen Aufbau ist es praktisch auszuschließen, dass das gleiche Spiel zweimal gespielt wird. Die drei möglichen Wege zum Sieg tragen ihr Übriges dazu bei, dass das Spiel so schnell nicht langweilig wird. Sollte dies irgendwann doch passieren, gibt es auch noch zwei Erweiterungen. Auf BoardGameGeek ist die 2-Spieler-Variante sogar höher gelistet als das Grundspiel.

Empfohlen ist das Spiel ab 10 Jahren und hat eine Spieldauer von etwa 30 Minuten. Außerdem gibt es eine gelungene Adaption in der Board Game Arena.

Spirits of the Wild

Life is Strange
Spirits of the Wild ist ein Brettspiel von Mattel. Bild: Mattel

Das wohl leichteste Spiel der Liste kommt aus dem Hause Mattel. In diesem Spiel geht es darum, auf dem eigenen Tableau Sets aus bunten Steinen den Spirit Animals darzubringen. Neben den beiden Tableaus für die Spielenden ist die Schale, in der die bunten Steine liegen und der Beutel aus dem die Schale gefüllt wird das zentrale Element. Im eigenen Zug wird eine der sechs Aktionskarten genutzt und umgedreht. Die Aktionen ermöglichen Steine aus der Schale zu nehmen oder neue aus dem Beutel in die Schale zu legen. Zusätzlich kann durch manche Karten der Kojote bewegt werden. Dieser blockiert auf dem gegnerischen Tableau eines der fünf Tiere.

Entscheidet man sich, seine genutzten Karten mittels der entsprechenden Aktionskarte wieder verfügbar zu machen, darf man zusätzlich eine der beiden offenliegende Spirit-Kraftkarten nutzen. Diese bieten verschiedene stärkere Effekte im Vergleich zu den persönlichen Aktionskarten.

Das Spiel endet sobald der fünfte Kraftstein sichtbar wird. Anschließend werden die einzelnen Tiere auf den Spielertableaus gewertet. Diese geben für unterschiedliche Sets aus Steinen Punkte. So gibt ein Tier beispielsweise Punkte für Paare aus gleichfarbigen Steinen. Andere Tiere erfordern etwa unterschiedliche Farben oder nur gleichfarbige Steine. Mit den durchsichtigen Kraftsteinen können die Punkte der Tiere verdoppelt werden. Liegen sie allerdings im Spielverlauf auf den Tieren, so ist dieses Tier abgeschlossen und es können keine weiteren Steine dorthin gelegt werden.

Die einfachen Regeln und die übersichtlichen Möglichkeiten machen Spirits of the Wild auch für Anfänger zu einem geeigneten Spiel. Trotz des auf den ersten Blick offensichtlichen Glücksfaktors beim Ziehen der Steine, sollte auch der taktische Aspekt hier nicht unterschätzt werden.

Das Spiel spielt sich in 15-30 Minuten und ist ab 10 Jahren empfohlen.

Targi

Life is Strange
Targi von Kosmos ist ein echter Klassiker. Bild: Komos

Geht es nach der BoardGameGeek-Community, kommt nun das komplexeste Spiel der Liste. Gleichzeitig hat es auch die längste Spieldauer. Im Worker-Placement-Spiel Targi übernehmen die Spielenden die Rolle des Anführers eines Tuareg-Stammes. Sie handeln mit Waren, die nah verfügbar sind wie Datteln und Salz und auch mit Waren von fern wie zum Beispiel Pfeffer. Dies geschieht mit dem Ziel an Gold und Vergünstigungen zu kommen und den eigenen Stamm zu vergrößern. Der Spielablauf ist hier in fünf Phasen gegliedert. Anfangs wird die Räuberfigur auf den Randkarten ein Feld weitergezogen. Landet sie auf dem Feld „Überfall“, müssen die Spielenden Waren oder Siegpunkt abgeben. Für den zweiten Schritt blockiert die Räuberfigur das Feld, auf dem er steht. In diesem zweiten Schritt werden die Arbeiter platziert. Neben der Einschränkung durch die Räuberfigur sind auch die Eckfelder, Felder auf denen bereits eine andere Spielfigur steht und Felder gegenüber der Figuren des gegnerischen Stammes blockiert. Haben beide abwechselnd ihre je drei Targi-Figuren platziert, verteilen sie ihre beiden Stammesmarker auf die in der Mitte liegenden Waren- und Stammeskarten.

Die beiden letzten Schritte führen nun in Schritt vier zu den Aktionen. Jetzt werden die Karten aktiviert auf denen die Targi-Figuren und Stammesmarker liegen. Die Karten in der Mitte werden nach dem Nutzen durch eine Karte des jeweils anderen Typs ersetzt. Stammeskarten werden in einem 3×4 Raster vor den Spielern ausgelegt. Sie bringen neben Siegpunkten einmalige oder dauerhafte Vorteile. Zum Abschluss der Runde wechselt der Startspieler und die neuen Waren- und Stammeskarten werden umgedreht. Es geht anschließend wieder mit Schritt eins weiter. Dieser Ablauf setzt sich solange fort, bis eine Person die zwölfte Stammeskarte vor sich auslegt oder die Räuberfigur die vierte Überfallkarte erreicht.

Nun gibt es Punkte. Die im Spielverlauf gesammelten Siegpunkte in Form von Silberkreuzen als Plättchen und auf Karten, manche Stammeskarten und je nach den Symbolen auf den Stammeskarten auch einzelne Reihen im Raster sind die Punktelieferanten.

In Targi findet man eine sehr gelungene Balance zwischen übersichtlichem Regelwerk und taktischem Spiel. Wie in Worker-Placement-Spielen üblich, ist das Wann und Wo sehr wichtig für das Platzieren der Targi-Figuren. Die Interaktion zwischen den Spielenden ist hoch.

Empfohlen wird Targi ab 12 Jahren und spielt sich in einer guten Stunde.

Bohnanza Das Duell

Life is Strange
Bohnanza ist ein Evergreen von Amigo Spiele. Bild: Amigo

Das älteste Spiel dieser Liste ist Uwe Rosenbergs Kartenspielklassiker Bohnanza. Während das Grundspiel für 3-5  Personen geeignet ist, bietet Das Duell den beliebten Bohnenspaß für zwei Personen. Der Handmechanismus aus dem Vorbild bleibt auch in der 2-Personen-Variante erhalten. Die Reihenfolge der Handkarten darf nach dem Ziehen nicht mehr verändert werden.

Der Bohnenbauer, der am Zug ist, muss die vorderste Handkarte und darf die Folgende ausspielen. Hierfür stehen insgesamt drei Bohnenfelder zu Verfügung. Anders als im Grundspiel dürfen im Duell auch verschieden Bohnensorten auf einem Feld platziert werden. Eine neue Bohnensorte muss dabei immer den nächsthöheren Wert besitzen. Nach dem Anbauen der Handkarten werden drei Karten von verdeckten Stapel aufgedeckt und die Person, die am Zug ist, muss eine Bohne aus der Mitte oder aus der Hand verschenken. Dieses Angebot kann abgelehnt werden. Die andere Person muss in diesem Fall ein noch nicht genanntes Gegenangebot machen. Konnte sich auf ein Geschenk geeinigt werden, müssen im nächsten Schritt die geschenkten und aufgedeckten Bohnen angebaut werden. Ist der Zug beendet, werden zwei Bohnenkarten nachgezogen.

Ein weiteres Element, das Bohnanza Das Duell vom Grundspiel abgrenzt, sind die Bohnuskarten. Von diesen hat jeder Spielende drei auf der Hand. Diese Karten zeigen Zusammenstellungen von Bohnensorten. Sobald diese auf einem beliebigen Bohnenfeld ausliegt, zeigt man die Karte und erhält sie für den eigenen Punktestapel.

Am Ende werden die Taler der geernteten Bohnen und erfüllten Bohnuskarten sowie die Groschen auf der Vorderseite der Bohnuskarten zusammengezählt und die Person mit der höheren Summe gewinnt.

Bohnanza Das Duell überträgt den beliebten Mechanismus des erfolgreichen Kartenspiels gelungen auf ein 2-Personen-Spiel. Das hohe Maß an Interaktion beim Verschenken, wo auch Bluffen erlaubt ist und die immer neue Zusammenstellung der Handkarten in Kombination mit den wertvollen Bohnuskarten sorgen für eine abwechslungsreiches Spielerlebnis für zwei.

Eine Partie spielt sich in circa 45 Minuten. Empfohlen wird das Spiel ab 12 Jahren.

Patchwork

Life is Strange
Patchwork ist ein Rosenberg-Brettspiel für zwei Spieler. Bild: Lookout

Zum Abschluss der Liste treffen wir zwei Aspekte wieder, die bereits bei anderen Titeln anzutreffen waren. Das Spiel ist wieder von Uwe Rosenberg und es ist auch in der Board Game Arena verfügbar. In Patchwork erschaffen die Spielenden auf dem persönlichen 9×9-Tableau eine möglichst schöne aber vor allem punktereiche Decke aus verschiedensten Flicken (Polyominos).

Auf dem zentralen Zeitplan stehen die beiden Spielsteine der Spielenden. Um diesen verteilt liegen alle Flicken. Die Spielfigur wird im Uhrzeigersinn vor das kleinste Plättchen gelegt. Wer am Zug ist, kann nun eines der drei nächsten Plättchen vor der Spielfigur kaufen. Jeder Flicken kostet Knöpfe, die die „Währung“ des Spiels darstellen, und Zeit. Die Zeit wird auf dem zentralen Zeitplan „gezahlt“, in dem der Spielstein entsprechend viele Schritte vorzieht. Passiert man eines der Knopfsymbole, gibt es Knopf-Einkommen in Höhe der Knöpfe, die sich auf den eigenen Flicken befinden. Manche Felde bieten zusätzlich Spezialflicken, die genau ein Feld groß sind. Diese sind sehr nützlich, um Löcher zu stopfen. Wer als erstes ein Quadrat der Größe 7×7 vollständig belegt hat, erhält das Bonusplättchen, das am Ende 7 Knöpfe wert ist.

Es ist immer die Person am Zug, die auf der Zeitleiste weiter hinten steht. So kann es passieren, dass eine Person mehrere Züge hintereinander ausführen darf. Kann oder will man sich keines der drei verfügbaren Plättchen leisten, darf man auf das Feld genau einen Schritt vor den gegnerischen Spielstein ziehen. Wählt man diese Option, erhält man Knopf-Einkommen in Höhe der gezogenen Schritte.

Das Spiel endet, sobald beide das Zielfeld erreicht haben. Nun muss jeder 2 Knöpfe pro leergebliebenem Feld zahlen. Wer nun die meisten Knöpfe hat, gewinnt das Spiel.

Das Spiel mit dem solitären puzzeln auf dem eigenen Tableau erhält durch den Zugmechanismus ein spannendes Maß an Interaktion. Man kann „entscheiden“, welche Flicken man der anderen Person zur Auswahl geben möchte. Zu den Spezialflicken entwickelt sich ebenfalls ein kleines „Rennen“, da diese für eine geschlossene Decke fast unverzichtbar sind.

Wem die Optik der klassischen Edition nicht zusagt, der kann von A wie Americana bis W wie Winter-Edition aus vielfältigen Sondereditionen wählen, die alle eine andere Optik besitzen. Ab 8 Jahren ist Patchwork geeignet und spielt sich in circa 30 Minuten.

This entry is part 3 of 13 in the series Die besten Brettspiele

Letzte Aktualisierung am 2.10.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. * = Affiliate Links. Bilder von Amazon PA-API