Als Fan der XCom Reihe war ich natürlich besonders gespannt darauf, wie sich der Brettspielableger auf der Spielemesse in Essen anfühlen wird. Der Hype war groß, die Vorfreude ebenso, aber das Warten auf den ersten Test hat sich gelohnt: XCom The Board Game ist ein wahrer Spaßgarant und befördert das kooperative Brettspiel auf die nächste Stufe. Im nachfolgenden Blogartikel stelle ich euch meine Spielerfahrungen mit dem Brettspiel X-Com: The Board Game ausführlich vor und zeige, warum es sich auch für nicht SciFi-Fans lohnt, dieses komplexe Brettspiel anzuspielen. Viel Spaß!
Die Lizenz zum Alien(töten)
Wenn etwas bei Brettspielen besonders heikel ist, dann ist es die Umsetzung von bekannten und geliebten Film- oder Spielelizenzen. Starke Marken wie Star Trek, Star Wars oder Herr der Ringe verzeihen kleinere Ausrutscher – Marken mit kleinerer Fangemeinde tun dies nicht und die Spieleautoren haben nur einen Versuch, die Brettspielerschaft von der Qualität ihres Spiels zu überzeugen.
Bei XCom: The Board Game ist die Umsetzung glücklicherweise gelungen, mehr noch, sie ist fabelhaft und kann die bedrohliche Atmosphäre der PC- und Konsolenspiele wiedergeben: Die Erde ist in Gefahr und das lässt Euch XCom The Board Game deutlich spüren. Verantwortlich dafür ist die passende XCom: The Board Game App, denn das Spiel ist ein weiteres kombiniertes Brettspiel, das ohne die kleine Programmanwendung nicht spielbar ist. Brettspieler, die mit XCom liebäugeln sollten also ein Tablet zur Hand haben oder zumindest eine Anschaffung planen.
Jeder Spieler verwaltet sein eigenes Taktikressort. Während ein Spieler sich also um den Bereich Forschung & Entwicklung kümmert, organisiert sein Gegenüber die Truppenstärke und koordiniert den Nachschub, während der unbeliebteste Mitspieler der Runde (Anm. d. Red.: Scherz!) die Hoheit über die Finanzen innehat und die verfügbaren Mittel verteilen muss. Dabei kann das Geld natürlich nicht mit vollen Händen ausgegeben werden, denn pro Runde stehen nur 10 Millionen der kostbaren Währung zur Verfügung, die weise und taktisch klug eingesetzt werden wollen. Forscher benötigen hohe Beträge für neue Entwicklungen, aber auch der Kriegsrat kann ohne Geldmittel keine neuen Truppen beschaffen. Der Finanzminister sitzt also zwischen den Stühlen und muss in Echtzeit abwägen, welche Entscheidung richtig sind. Ohne Kompromisse geht also gar nichts.
App-soluter Stressfaktor
Die App von XCom: The Board Game simuliert den Alienangriff und ist damit ein Kernelement des Brettspiels. Die Companion App dient aber nicht nur als skrupelloser Alien-Commander, der seine Angriffe koordiniert und auf die Züge der menschlichen Spieler reagiert, sondern beeinflusst die Handlungsfähigkeit der Menschen direkt. Dies geschieht durch unbekannte Handlungsrotationen, die den Brettspielern vorgeben, welches Planungssegment an der Reihe ist. Doch damit nicht genug, denn auch die Zeit für die einzelnen Züge sind begrenzt – wieviel Zeit jedem Spieler und seinem Sektor zur Verfügung steht ist stets unbekannt. Bummeln ist also unerwünscht! Diese Zeitknappheit sorgt für zusätzlichen Stress, andererseits aber auch für eine ordentliche Portion Spannung. Die Spieler kämpfen somit zusammen gegen Aliens und die Zeit. Absprachen müssen also knapp und effektiv getroffen werden, sonst drohen im schlimmsten Fall „Leerzüge“, die ohne Ergebnis bleiben.
Natürlich besteht X-Com: The Board Game nicht nur aus dem virtuellen Spielpart. Auch ein optisch ansprechendes Spielbrett wurde nicht vergessen. Zudem werden jede Runde Figürchen verschoben, Karten gezogen und Würfel geworfen. Die Mischung der einzelnen Spielteile ist grandios und macht trotz aller Hektik riesigen Spaß. Es kommt genügend klassisches Brettspiel-Flair auf, das die Spielrunde an den Tisch fesselt. Die einzelnen Elemente entsprechen dem bisher Bekannten: Karten sorgen für allerlei Überraschungen, Würfelwürfe entscheiden über Sieg oder Niederlage in den Kämpfen gegen die fiesen Aliens. Die Mitspieler können noch so gut taktieren, eine Portion Glück gehört zu jedem Sieg auch dazu. Dabei ist Gewinnen gar nicht mal so leicht und erfordert von jedem Mitspieler die volle Konzentration über die gesamte Spielzeit.
Infobox
Spielerzahl: 1 bis 4 Spieler
Alter: ab 14 Jahren
Spieldauer: 60 bis 120 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: mittel
Verlag: Asmodee ►
Autor: Eric M. Lang
Grafik: Jörg Kiefer
Erscheinungsjahr: 2014
Sprache: deutsch
Kosten: 45 Euro
Fazit
Die Brettspielumsetzung von XCOM begeistert Spieler ebenso wie die digitale Vorlage. In spannenden Runden dreht sich alles um kluges Taktieren und strategisches Denken. Die App wird dabei sehr natürlich in das Spielgeschehen eingebunden. Hier ist das Tablet quasi ein weiterer Mitspieler und keine störende Technik, auf die Brettspielliebhaber dann doch gern verzichten, wenn sie ihrem Hobby nachkommen. Lange Spielrunden ohne störende Längen, viele Aliens, jede Menge Taktik – XCOM bleibt seiner Linie auch als Brettspiel treu.