Donnerstag, Januar 24

SPIEL’16 Abschlussbericht: Das Spiel mit den Emotionen

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Das war es für die nächsten 375 Tage mit der weltgrößten Messe für Gesellschaftsspiele in Essen. Am 16. Oktober um 18.00 Uhr endete die SPIEL’16 mit der Verkündung eines neuen Besucherrekords. Gesellschaftsspiele sind so angesagt wie nie zuvor. Wie auch in den Jahren zuvor, stehen die Internationalen Spieltage in Essen für uns unter einem Motto. In diesem Jahr wurde deutlich, dass Spiele emotional involvieren – für eine Freizeitmesse ist das eines der größten Komplimente, die man machen kann.


Rekordträchtige Besucherzahlen auf der SPIEL’16

Die gut gefüllten Messehallen haben bereits angedeutet, dass auch die diesjährigen Internationalen Spieltage SPIEL’16 mit COMIC ACTION mit einem Besucherrekord enden würden. Tatsächlich verkündete der ausrichtende Friedhelm Merz Verlag zum Messeschluss 174.000 Besucher, was einer Steigerung von rund sieben Prozent entspricht. Damit folgen die Besucherzahlen genau dem Trend, der sich im Sektor der Gesellschaftsspiele zeigt. Die SPIEL’16 war damit die mit Abstand erfolgreichste Veranstaltung ihrer 34-jährigen Geschichte. Über 1200 Spieleneuheiten boten Besuchern aus aller Welt überhaupt die Möglichkeit, sich emotional involvieren zu lassen. Lange vor der Messeveranstaltung macht sich Vorfreude auf eines der größten Highlights des Jahres breit. In Essen angekommen, übermannen Momente des Ärgers und der Verzweiflung viele Anreisende, die an völlig überfüllten Bahnsteigen auf die U-Bahn warten oder in den Blechkolonnen an den Zufahrten zu den Parkplätzen stehen. Für die Messe Essen scheint der Test des neuen automatisierten Parksystem gründlich schiefgegangen zu sein, woraufhin die Verantwortlichen am Samstag reagierten und zu einer bewährten Methode des Parkleitsystem mit menschlichen Parklotsen zurückkehrten. So manchem Besucher, der die Messehallen erreicht und sich in die Warteschlange eingereiht hat, war die Anspannung in das Gesicht geschrieben – bis der Startschuss für den Messetag für euphorische Stimmung sorgte. Trotz des Ärgers ist es für viele Gesellschaftsspieler kaum denkbar, dass eine andere Stadt als Essen zur Spielehauptstadt werden könne. Emotional involviert waren auch Besucher, die kein Exemplar ihres Lieblingsspiel ergattern konnten. Die tumultartigen Szenen am Stand des Schwerkraftverlags waren in dieser Form ein absolutes Novum auf der SPIEL. Dass der Highlight-Titel Terraforming Mars von Jacob Fryxelius auf der Online-Auktionsplattform Ebay zu horrenden Preisen angeboten wird, sorgte vor allem bei Fans für Ärger, die auf der SPIEL’16 leer ausgegangen sind.

Derartige Geschäftemacherei gehört jedoch ebenso zur modernen Brettspielszene wie die Wartezeit auf die nachgedruckten Ausgaben.   In Großbritannien herrscht eine ausgeprägte Kneipenkultur, mit der auch das Pub-Quiz fest verbunden ist. In entspannter Atmosphäre spielen Pub-Besucher gegeneinander und lösen dabei knifflige Quizfragen. Und wie für derartige Stammtischrunden üblich, kommt dem Faktor des gefährlichen Halbwissens eine tragenden Rolle zu. Das Quizspiel Kneipenquiz – Das Original vom Verlag moses. setzt genau dort an: Ein Team spielt zusammen gegen vier fiktive Kneipenbesucher. Ziel ist es, innerhalb von fünf Minuten fünf Fragen richtig zu beantworten. Das Ganze zieht sich über fünf Spielrunden. Klingt einfach? Ist es auch – zumindest bis auf die Tatsache, dass sich so manche mögliche Antwort auf besonders knifflige Fragen gern ausgiebig diskutieren lässt. 

Die Internationalen Spieltage SPIEL’16 mit COMIC ACTION machten ihrem Namen alle Ehre: 1021 Aussteller aus 50 Nationen präsentierten ihre Ideen dem neugierigen Publikum. Mehr als jeder zweite Aussteller reiste in diesem Jahr aus dem Ausland in die Spielehauptstadt Essen. Neben den traditionell stark vertreten Ländern wie den USA, Frankreich oder Großbritannien sicherten sich unter anderem Spieleentwickler aus Aserbaidschan, Kolumbien und Mazedonien viele Quadratmeter der begehrten Ausstellungsfläche. Mit dieser Internationalität setzt die SPIEL’16 ein deutliches Zeichen – spielerisch, gesellschaftlich, vielleicht auch politisch. Sprachliche Barrieren waren dabei keine Hindernisse für gemeinsame Stunden an den Spieltischen.

Eine Freizeitmesse, die 174.000 Menschen aus aller Welt vier Tage lang zusammenbringt, ist heutzutage wichtiger denn je. „Der Mensch ist eben nur da ganz Mensch, wo er spielt“, sagte schon Friedrich Schiller.  

Gute Spiele wecken Emotionen

Es muss ein weiser Mensch gewesen sein, der sagte: „Spiele seien nicht allein aufgrund des Gameplays gut, sondern müssten Emotionen wecken.“ Auf der diesjährigen Spielemesse in Essen gelang dies äußerst gut. Auch, weil unter den vielen Trendthemen interaktives Spielen einen großen Teil einnahm. Emotional involviert wurden Spieler vor allem bei den zahlreichen Escape-Spielen, wie Exit – Das Spiel vom KOSMOS Verlag oder Escape Room – Das Spiel von Noris Spiele. Escape-Spiele verbinden Spieler emotional mit dem Geschehen, machen sie selbst zu den Hauptakteuren – und bleiben damit im Gedächtnis. So werden Escape-Games die Brettspielerszene auch lange nach der SPIEL’16 begleiten. Wenn dann in den sozialen Medien angeprangert wird, dass Autoren und Verlage sich, wie im Fall des Brettspiels Mombasa, eines sensiblen Themas bedienen, wird deutlich, dass hinter Gesellschaftsspielen mehr steckt als nur ein funktionierender Spielmechanismus. Über die Verwendung sensibler Settings diskutieren darf man – zumindest sofern das Anbringen guter Argumente den Ausschrei bloßer Stammtischparolen überwiegt. Allein der Vorwurf, Verlage und Autoren würden bestimmte historische Geschehnisse nutzen, nur um sich daran zu bereichern, reicht für eine Auseinandersetzung mit dem Thema nicht aus. Im Gegenteil: die Verarbeitung sensibler Themen bringt diese auch den Brettspielern näher, die sich damit ansonsten kaum in ihrem Alltag beschäftigen würden. Jede Botschaft, die ein Spiel transportiert, macht einen Titel unter dem Gesichtspunkt des Kulturguts wertvoller.

SPIEL'16 Abschlussbericht: Das Spiel mit den Emotionen
SPIEL’16 Abschlussbericht: Das Spiel mit den Emotionen

Wie jedes Jahr sorgten auch zahlreiche Brettspielklassiker für leuchtende Kinderaugen und fröhliche Erwachsene. Familien verbrachten Zeit mit Brettspielperlen wie Carcassonne oder Das verrückte Labyrinth, das auf der SPIEL’16 mit einer Jubiläumsedition bei den Besuchern punktete. Dank der Verwendung von Leuchtfarbe können Fans auch in völliger Dunkelheit nach Schätzen suchen. Was am Ende von der SPIEL’16 bleibt, sind viele schöne Erinnerungen und die Gewissheit, dass auch die nächste Messe ein echtes Highlight für Gesellschaftsspieler werden wird. Im nächsten Jahr will die Messe Essen eine zusätzliche Halle zur Verfügung stellen. Die Chancen stehen gut, dass der diesjährige Besucherrekord im kommenden Jahr erneut geknackt wird. 

Was jetzt folgt, ist das Warten auf die SPIEL’17 – selbstverständlich voller Vorfreude. Die SPIEL’17 findet vom 26. Oktober bis 29. Oktober 2017 in Essen statt.

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About Author

André Volkmann ist freier Journalist mit Schwerpunkten in den Bereichen Lokalnachrichten und Spiele-Journalismus.

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